Aus der Redaktion

30.12.2009: Aus der Redaktion

Viele unserer Leser erinnert der Umschlag des aktuellen DIALOG sicherlich an die Gestaltung der vor einem Jahr erschienenen Ausgabe unseres Magazins über das polnische Berlin. Diese Assoziation ist nicht zufällig. Wir haben Wieslaw Smetek gebeten, eine ästhetische Verbindung zwischen der Berliner Nummer und der neuesten, in der wir den vergessenen deutschen Spuren in Warschau nachgehen, herzustellen. Vor über einem Jahr hat uns die von Robert Traba und dem Team des Zentrums für Historische Forschung vorbereitete Ausstellung über das polnische Berlin zu einer DIALOG-Ausgabe über die Spreemetropole inspiriert. Dieses Berliner Projekt hat auch den Vorstand der Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit angeregt. Die Stiftung initiierte vor einigen Monaten eine Ausstellung über Warschauer Familien mit deutschen Wurzeln, die Ende Januar eröffnet werden soll. Einer ihrer Autoren, der Historiker Tomasz Markiewicz, stellt im aktuellen DIALOG dar, wie sehr deutsche Familien die Geschichte Warschaus geprägt haben. Zwar wird die NS-Besatzung und die Vernichtung der Stadt im Zweiten Weltkrieg für immer das dominierende deutsche Kapitel in der Geschichte Warschaus bleiben, doch Markiewicz macht deutlich, dass es auch deutsche Einflüsse gab, die zum Wohlstand und Blüte der Metropole beigetragen haben. Die NS-Okkupation war übrigens nicht die einzige deutsche Besatzung Warschaus im 20. Jahrhundert. Die Berliner Historikerin Marta Polsakiewicz erinnert an die vergessene, deutsch-kaiserliche Okkupation der Weichselmetropole im Ersten Weltkrieg. Unsere Erzählung über Warschau wollten wir nicht alleine auf polonisierte deutsche Familien und auf die Geschichte beschränken. Wir haben zwei prominente deutsche Warschauer, den Journalisten Gerhard Gnauck und den Theatermacher Peter Lachmann, gebeten, einen ganz persönlichen Bogen zwischen der Vergangenheit und Gegenwart zu spannen. Entstanden sind zwei faszinierende Porträts Warschaus - einer Metropole, die an Berlin erinnert, an eine Stadt (um die Worte des Publizisten Karl Scheffler von 1910 zu zitieren ), die dazu verdammt ist, ständig zu werden und niemals zu sein.

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