Aus der Redaktion
Nach Informationen der polnischen Wochenzeitung "Polityka" könnte es im Frühjahr 2010 in Katyn zu einem gemeinsamen Auftritt von Wladimir Putin und Donald Tusk aus Anlass des 70. Jahrestages der Ermordung polnischer Offiziere durch den NKWD kommen. Eine offizielle russisch-polnische Gedenkveranstaltung in Katyn wäre eine politische Sensation, denn noch nie hat ein hoher russischer Politiker die Gräber der ermordeten polnischen Soldaten besucht. Ganz utopisch ist diese Perspektive angesichts der jüngsten Entwicklungen im polnisch-russischen Verhältnis nicht. Zu Beginn dieses Jahres glaubte kaum jemand in Warschau, dass Putin am 1. September zu den Gedenkfeiern an den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges nach Danzig kommen würde. Putin kam nach Polen. In seinen Auftritten wurden zwar die Unterschiede in der Interpretation der Geschichte zwischen Moskau und Warschau deutlich, aber gleichzeitig signalisierte Russlands Regierungschef, dass er sich grundsätzlich einem Dialog über strittige Themen mit Polen nicht widersetzen will. Dieser Dialog ist in den letzten zwei Jahren vor allem in der von Adam Rotfeld geleiteten polnisch-russischen Expertengruppe intensiv geführt worden. Der Journalist Andrzej Grajewski ist Mitglied dieses Gremiums, er stellt unseren Lesern in der vorliegenden DIALOG-Ausgabe die bisherige Arbeit der so genannten "Polnisch-russischen Arbeitsgruppe für schwierige Fragen" vor. Den Publizisten und Philosophie-Professor Janusz Majcherek haben wir gebeten, die unterschiedlichen politischen Kulturen Russlands und Polens nachzuzeichnen. Adam Pomorski, einer der renommiertesten polnischen Kulturvermittler zwischen Polen und Russland, erinnert in seinem Essay an ein unbekanntes Kapitel europäischer Kunstgeschichte: die avantgardistischen Künstlerkontakte zwischen Moskau und Warschau in den 1920er Jahren. In seinem Essay bettet Cornelius Ochmann die deutsch-polnisch-russischen Beziehungen in ein breites sicherheitspolitisches Panorama ein. Große Hoffnungen auf die Stabilisierung Osteuropas verbindet Ochmann mit der neuen EU-Ostpolitik. Im Rahmen dieses Politikansatzes können seiner Ansicht nach Polen und Deutschland effektiver eine Politik gegenüber den östlichen Nachbarn gestalten und gleichzeitig das außenpolitische Profil der Europäischen Union grundsätzlich schärfen.




